Der Bremer Hauptbahnhof zählt zu den schönsten und modernsten Bahnhöfen Deutschlands. Täglich nutzen rund 150.000 Bahnreisende den Bahnhof, hinzu kommen mehrere hunderttausend Fahrgäste der Bremer Straßenbahn AG, die auf dem zentralen Bahnhofsplatz umsteigen. An diesem Ort kommen Menschen mit unterschiedlichsten Lebensrealitäten zusammen. Die hohe Frequentierung und die besondere soziale Situation im Umfeld des Bahnhofs bringen Herausforderungen für Sicherheit, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität mit sich.
Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, initiierte der Senator für Inneres im Jahr 2018 die Sicherheitspartnerschaft Hauptbahnhof. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern werden seitdem ordnungsrechtliche, präventive und soziale Maßnahmen eng aufeinander abgestimmt und kontinuierlich weiterentwickelt. Ziel ist es, die Sicherheit im Bahnhofsumfeld zu erhöhen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und gleichzeitig Menschen in schwierigen Lebenslagen angemessene Unterstützung anzubieten.
Dazu wurden unter anderem die Präsenz von Sicherheits- und Ordnungskräften verstärkt, die Zusammenarbeit der beteiligten Behörden intensiviert sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Sauberkeit und Infrastruktur umgesetzt. Gleichzeitig wurden soziale und gesundheitliche Hilfsangebote ausgebaut und gezielt dort verankert, wo sie besonders benötigt werden. Ergänzend entstanden Akzeptanzorte für bestimmte Personengruppen, um Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum zu reduzieren und ein respektvolles Miteinander zu fördern.
Die Sicherheitspartnerschaft zeigt Wirkung: Die Aufenthaltsqualität rund um den Hauptbahnhof konnte spürbar verbessert werden. Gleichzeitig ist die Zahl der Straftaten im Bahnhof und seinem Umfeld erstmals seit Jahren rückläufig. Damit wird der Bremer Hauptbahnhof Schritt für Schritt zu einem noch einladenderen und sichereren Ort für alle.
Ein Bahnhof und seine unmittelbare Umgebung sind die Visitenkarte einer Stadt. Der erste Eindruck aber, den viele Besucherinnen und Besucher im Sommer 2017 von Bremen erhielten, war denkbar schlecht: Müll wehte über den Vorplatz, Schrottfahrräder standen im Weg, Gruppen von Heranwachsenden musterten Passanten, offenbar immer bereit, potenziellen Kunden Drogen anzubieten. Hinzu kamen Trickdiebe und junge Räuber, die mit roher Gewalt oder Täuschungen versuchten, Beute zu machen. Haltestellenbänke wurden von Trinkern belagert, sodass Fahrgäste sich darüber beschwerten. Die seit Jahren existierende Groß-baustelle verschärfte die Lage noch zusätzlich.
Anrainer, Geschäftsleute und Polizei kämpften mit viel Einsatz und Energie gegen diese Entwicklung an, doch viele Bürgerinnen und Bürger fühlten sich gerade abends zunehmend unsicher am Hauptbahnhof.
Grund genug für uns, etwas Neues auszuprobieren: Im September 2017 setzten sich unter Federführung des Innenressorts Vertreterinnen und Vertreter der Sozial,- Bau-, Justiz- und Wirtschaftsbehörde zusammen an einen Tisch. Eingeladen waren auch die Anrainer und Geschäftsleute, die Innere Mission und die „Suppenengel“, swb Bremen, Sozialarbeiter, Polizei, BSAG, Deutsche Bahn und Bundespolizei - um nur einige zu nennen.
Die Motivation der Akteure war unterschiedlich, aber das Ziel war das Gleiche: Ein sicherer und sauberer Bahnhof, an dem man sich gerne aufhält. Zugleich sollten vor Ort zusätzliche Treffpunkte für Wohnungslose und alkoholkranke Menschen gefunden werden.
Im September 2017 begannen die ersten Workshops mit den Akteuren. Anfängliche Skepsis zwischen Polizeibeamten und Sozialarbeitern verflogen bald. Immer mehr setzte sich die Überzeugung durch: Die Probleme lassen sich nur lösen, wenn alle mitwirken. Parallel liefen in Bremen die Vorbereitungen für Bremens ersten Ordnungsdienst, den Aufbau einer Stadtreinigung, aber auch eines neuen Lichtkonzeptes für den Hauptbahnhof. Die Handelskammer sagte ihre Unterstützung bei der Gründung des Vereins „Attraktiver Bremer Bahnhof“ zu und der Senat gab grünes Licht für die Stelle eines Koordinators für das Sicherheitsprogramm am Bremer Hauptbahnhof, bei dem alle Fäden zusammenlaufen würden.
Hinzu kamen Dutzende von neuen, hochwertigen Videokameras, die den Bahnhof und seine unmittelbare Umgebung sicherer machen werden. Damit nicht genug, schlossen Bundespolizei und Bremer Polizei einen Kooperationsvertrag, um künftig noch enger zusammen zu arbeiten. Seit Beginn unserer Initiative verändert sich das Gesicht des Bahnhofs von Monat zu Monat zum Positiven. Ein weiterer Meilenstein war die Einweihung der neuen Polizeiwache direkt am Hauptbahnhof - unmittelbar neben der neuen Wache der Bundespolizei. Mittlerweile ist der Zusammenwuchs immer wieder vorangeschritten, sodass die Polizei Bremen, Bundespolizei, Ordnungsdienst und DB-Sicherheit als „Quattro Streife“ gemeinsam Streife laufen und ihre Kompetenzen gebündelt einbringen. Der Austausch zu Sozialarbeit und insbesondere Streetwork schreitet immer weiter voran. Die Polizei eine ‚Task Force Hauptbahnhof‘mit einem Koordinator der operativen Maßnahmen am Hauptbahnhof gegründet, welche u.a. die Hinweise und Beschwerden bündelt und die Einsatzkräfte koordiniert.
Notrufsäulen wurden in enger Zusammenarbeit mit der Bremer Straßenbahn AG aufgestellt und optimiert. Ferner wurden zwei Öffentliche Toiletten auf dem Bahnhofsplatz durch die Bremer Stadtreinigung aufgestellt. Aber letztlich gibt es durch die Corona-Pandemie und der geopolitischen Einflüsse noch viel zu tun, wie die Umsetzung der Integrierten Drogenhilfestrategie mit dem Ausbau an zielgerichteten Hilfsangeboten im Umfeld des Hauptbahnhofes und insbesondere die Etablierung des Drogenhilfezentrums ‚Friedrich 22‘ mit Konsumraum in der Friedrich-Rauers-Str..